Frau mit Smartphone auf dem Sofa – Ghosting, Breadcrumbing und andere Dating-Probleme beim Online-Dating

Ghosting, Breadcrumbing & Co.: Der Survival-Guide für den Online-Dating-Wahnsinn

Wer sich heute in die Niederungen des Online-Datings begibt, braucht kein dickes Fell mehr, sondern gefühlt eher eine Psychotherapieausbildung und ein juristisches Staatsexamen. Früher hat man sich im Club einen Korb geholt und gut war. Heute läuft das subtiler, digitaler und vor allem feiger. Man wird geghostet, gebreadcrumbed oder mit seelenlosen Standard-Floskeln bombardiert, bis man das Smartphone am liebsten an die Wand werfen möchte.

Ich habe in meiner wilden Dating-Zeit so ziemlich jeden dieser modernen Dating-Trends am eigenen Leib erlebt. Zeit also, das Ganze einmal ungeschönt auf den Tisch zu legen – und zu erklären, wie man diesen Zirkus überlebt, ohne dabei den Glauben an die Menschheit komplett zu verlieren.

Tipp 1: Ghosting – Wenn der Gesprächspartner einfach im Nichts verschwindet

Du hast tagelang geschrieben, es gab gefühlte zehntausend Gemeinsamkeiten und das Treffen fürs Wochenende war quasi schon abgemacht. Und plötzlich? Stille. Niemand mehr da. Der Chat bleibt leer. Willkommen im Club der Geghosteten.

Das Verrückte daran: Man sucht den Fehler erst einmal automatisch bei sich. War ich zu langweilig? Habe ich irgendwas Falsches geschrieben? War die letzte Nachricht vielleicht doch ein bisschen zu viel?

Kann alles sein. Muss aber nicht.

Manchmal haben Menschen schlicht keine Lust oder keinen Mut, ehrlich zu sagen, dass sie den Kontakt nicht weiterführen möchten. Eine kurze Nachricht wie „Du, ich glaube, das passt für mich doch nicht“ wäre eigentlich kein Weltuntergang. Stattdessen wird lieber abgetaucht.

Mein Tipp: Verschwende nicht stundenlang deine Energie damit, einen Fehler bei dir zu suchen. Wenn jemand ohne Erklärung verschwindet, hast du ohnehin keine vernünftige Grundlage für eine Antwort. Abhaken, weiterziehen.

Tipp 2: Breadcrumbing – Die Kunst, jemanden mit Brotkrumen bei Laune zu halten

Noch nerviger als komplettes Ghosting ist für mich das sogenannte Breadcrumbing. Da streut dir jemand alle paar Tage oder Wochen ein winziges digitales Häppchen hin – ein Herzchen unter deiner Story, ein „Hey, wie läuft’s?“ oder irgendeine andere Nachricht, die gerade genug Hoffnung macht, damit du den Kontakt nicht endgültig abschreibst.

Und natürlich fragt man sich irgendwann: Will die Person tatsächlich etwas von mir oder ist ihr einfach nur langweilig?

Die unangenehme Antwort lautet häufig: Man weiß es nicht. Vielleicht genießt sie einfach die Aufmerksamkeit. Vielleicht hält sie sich mehrere Optionen offen. Vielleicht ist sie selbst völlig unentschlossen.

Für dich macht das am Ende aber keinen großen Unterschied. Wenn über Wochen immer nur kleine Signale kommen, aber kein konkreter Schritt folgt, würde ich mich nicht an jedem Herzchen festhalten.

Wer dich wirklich kennenlernen möchte, wird irgendwann auch tatsächlich mit dir reden, telefonieren oder ein Treffen vorschlagen. Dafür braucht es keinen digitalen Brotkrumen-Marathon.

Tipp 3: Weniger Handy, mehr Realität

Der ganze digitale Dating-Zirkus verführt dazu, den halben Tag in irgendwelchen Chat-Spalten festzuhängen und das Verhalten von Menschen zu analysieren, die man noch nicht einmal im Reallife gesehen hat.

Warum schreibt sie morgens sofort zurück, abends aber plötzlich nicht mehr? Warum kommt ein Herzchen, aber kein konkreter Vorschlag? Warum war die Nachricht gestern noch so interessiert und heute klingt sie plötzlich völlig anders?

Man kann sich damit stundenlang beschäftigen. Und genau darin liegt die Falle.

Mein bester Ratschlag aus eigener Erfahrung: Schreib nicht wochenlang Romane. Lern die Leute relativ schnell im echten Leben kennen – oder lass es bleiben. Ein bisschen Schreiben vorher ist völlig sinnvoll. Schließlich möchte man wissen, ob die Chemie zumindest grundsätzlich stimmt.

Aber irgendwann sollte aus dem Chat auch Realität werden. Nach zwei oder drei Tagen muss man natürlich noch nicht heiraten. Ein Kaffee reicht fürs Erste völlig aus.

Denn beim persönlichen Treffen merkt man meistens ziemlich schnell, ob da tatsächlich etwas ist oder ob man sich vorher nur gegenseitig eine ziemlich schöne Fantasie zusammengeschrieben hat.