Allzu oft liest und hört man, dass man in einer gesunden Partnerschaft ganz offen miteinander sein soll. Diese Aussagen sind fast schon ein Trend. Dabei muss ich fast schon an die „Schwestern der unbarmherzigen Offenheit“ aus Star Trek denken. An die nicht Trekkies unter unseren Lesern: Das ist eine Art religiöser Orden, der alles absolut direkt und ehrlich sagt. Nun, diese unbarmherzige Offenheit in einer Beziehung beim Thema Sex kann auch an ihre Grenzen stoßen.
Viele verbotene Dinge oder unaussprechlichen Sexpraktiken haben ihren Reiz. Und könnten mitunter zu erotischen Masturbationsfantasien führen. Aber manche unaussprechlichen Dinge sind eben einfach: Unaussprechlich! Warum sollte man eine funktionierende Partnerschaft damit auf eine sehr gewagte Probe stellen? Nur einmal angenommen, dass der oder die Partner/in positiv auf den nun ausgesprochenen Sexwunsch reagiert. Wie sieht es in der Realität aus?
Oftmals entsteht beim realen Ausleben expliziter Sexpraktiken eine absurde, skurrile oder gar einfach nur abtörnende Situation. Natürlich heißt es eine gesunde Partnerschaft verkraftet auch mal schiefgegangene Sexexperimente, aber je nach Grad der Perversion kann so ein Erlebnis doch Narben in der Partnerschaft erzeugen und sich auf das zukünftige Sexleben negativ auswirken. Oft wird der Zauber beim Ausleben der geheimen Sexfantasien zerstört – für beide Seiten.
Nicht jede sexuelle Fantasie muss mit dem Partner gelebt werden
Selbstverständlich wollen wir unseren Lesern nicht dazu auffordern nicht mit dem Partner über erotische Wünsche und Begehren zu sprechen. Jedoch empfehlen wir auf die Dosis zu achten. Gerade am Anfang einer Beziehung sollte man nicht gleich mit der Brechstange übertriebene sexuelle Offenheit erzwingen. Man sollte es selbst realistisch beurteilen: Welche Fantasien passen zu mir und meinem Partner in einer Beziehung. Und welche Fantasien gehören zu hundert Prozent nur einem selbst. Denn wenn diese ganz besonderen Fantasien realisiert werden zerfällt oft der eigene Mythos daran.
Manchmal ist es besser manche Dinge für sich selbst zu behalten. Das hat nicht mit mangelndem Vertrauen zu tun. Vielmehr tut es einem sogar gut seine eigenen kleinen erotischen Geheimnisse in seinem Kopfkino zu haben. Realistisch betrachtet hat fast jede Frau und jeder Mann in einer Beziehung seine kleinen erotischen Geheimnisse in seinem Kopf. Und dennoch sind dies oft jahrelange zuverlässige Partnerschaften voller Liebe.
Darum sollte man gut abwägen, ob es nicht sinnvoll ist, den einen oder anderen kleinen expliziten Sexgedanken für sich zu behalten. Logischerweise hängt es auch vom Partner und der aktuellen Beziehung ab wie weit man sich traut aus dem Fenster zu lehnen. Aber die kleinen verborgenen dunklen Fantasien sind teilweise doch besser in einem verschlossenen Bereich des eigenen Kopfs aufgehoben.